Buch und Film von Ulrich Stoll

Ulrich Stoll hat ein Buch über das Aufnahmeheim Röntgental geschrieben. Außerdem hat er einen Film gedreht.  Seine Publikationen sind nicht hilfreich. Er macht, was ohnehin schon mies war, noch mieser und nimmt die Handlungsweise des Heims als Beleg für antikommunistische Propaganda.

Buch:

Auswertung Buch (Vorwort) Ulrich Stoll „Einmal Freiheit und zurück“

 Ulrich Stoll schreibt über erfolglose Rechercheversuche im Jahr 1985. Da wurde in DDR-Zeitungen eine Liste Rückkehrwilliger Ex-DDR-Bürger/innen veröffentlicht.  Die Rückkehrwilligen taten gut daran, sich nicht mit Ulrich Stoll einzulassen.

In dieser Liste war auch eine Adresse in Bad Kreuznach aufgeführt. Es hatte sich herausgestellt, dass dieser Ex-DDR-Bürger nicht zurückkehren wollte. Er hatte nur, als er Heimweh hatte bei der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn nachgefragt. Letzendlich hatte er sich entschieden in Bad Kreuznach zu bleiben. Mit der Veröffentlichung dieser Listen tat sich die DDR keinen Gefallen, denn es wurde nicht gründlich recherchiert.

Für die Erschließung der Sach- und Personalakten zum Aufnahmeheim Röntgental dankt  Ulrich Stoll Helga Tschunk und Sylvia Stechel von der „Stasiunterlagenbehörde“. Doch sagen die Akten die Wahrheit? Durch die psychische Ausnahmesituation sind keine echten Ermittlungsergebnisse herausgekommen. Wen die Akten als DDR-Gegner/in beschreiben, kann in Wirklichkeit Pro-DDR eingestellt sein und heute noch zur DDR stehen.

Ulrich Stoll schreibt, dass die Familien von Rückkehrwilligen als Geiseln genommen worden wären. So wären die Betroffenen zur Rückkehr in die DDR bewegt worden. Das deckt sich nicht mit meiner(Petra Reichel) Erfahrung, da die Abschiebung in die BRD der Normalfall war.

Auswertung Einführung I

Hier wird beschrieben, dass die DDR-Behörden von Anfang an mit Misstrauen reagierten. Nun gut, war ja auch berechtigt. Wenn die Ermittlungen in den Heimen reell gewesen wäre, gäbe es nichts dagegen zu sagen. Doch in der Realität waren die Ermittlungen fragwürdig.

Es folgt die Geschichte der Aufnahmeheime, bis Röntgental als Einziges übrigblieb.

Die Propaganda seitens der DDR wird erwähnt. Diese steht im Widerspruch zur Realität in den Aufnahmeheimen.

Hier wird der Neubau des Aufnahmeheims Röntgental beschrieben, den ich (P.R.) nicht kenne.

Was es mit der Überwachung der äußeren Umgebung der Heime auf sich hatte, kann ich nicht sagen und war, für die Insassinnen und Insassen des Heims, uninteressant.

Auswertung Einführung 2

Zunächst beschreibt Ulrich Stoll den Tagesablauf. Dazu wird noch an anderer Stelle Gelegenheit sein, näher drauf einzugehen.

Dann schreibt das vorgegeben war Ausreiseanträge von DDR-Bürger/innen zurückzudrängen. Dazu sollten unter den Heiminsassinnen und -insassen Leute herausgesucht werden, welche mit den Leuten sprechen sollen, die die DDR verlassen wollen und diese zu bewegen, doch zu bleiben. Brauchte man für diese Aufgabe nicht selbstbewusste Leute? Das Heim hat doch jegliches Selbstbewusstsein seiner Insassinnen und Insassen zerstört. Gebrochene Persönlichkeiten waren doch wohl nicht geeignet für diese Aufgabe. Die Frage ist, ob es diesen Fakt gab.

Noch was unlogisches. Es heißt, dass in 8 Fällen, im Aufnahmeverfahren, bestehende Liebesverhältnisse zersetzt und somit vorliegende Ausreiseanträge von DDR-Bürger/innen in die BRD zurückgedrängt wurden. Ging es hier nicht um Heiminsassinnen und Insassen, die in die DDR wollten?

Die dilettantische Propagandaaktion der DDR wird nochmal erwähnt. Da die ungenügende Recherche von den Westmedien deutlich gemacht wurde, nahm die DDR Abstand von einem Propagandafilm, der im DDR-Fernsehen gezeigt werden sollte.

Dann geht es noch um IMs. Zum Einen unter den Heiminsassinnen und -insassen, zum Anderen unter den Zivilbeschäftigten.

Meiner(P.R.) Meinung nach hätten unter den Verantwortlichen IMs platziert werden müssen.

Film:

Auf You Tube befindet sich der Film von Ulrich Stoll in mehreren Teilen, die in einer Playlist zusammengefasst sind. Aufnahmeheim Röntgental hat einen eigenen You Tube-Kanal.

Film Teil 1:

Als ich(Petra Reichel) 1982 am Grenzübergang Gerstungen ankam, wurde ich sehr freundlich begrüßt. Von den Beamten trug keiner ein Gewehr.

Es wurde eine Vor-Befragung und Gepäckkontrolle, sowie Leibesvisitation durchgeführt. Die Damen von Zoll behandelten mich bei der Leibesvisitation wie ein rohes Ei und waren stets darauf bedacht, dass mir nichts passiert. Der Raum war gut geheizt und ich sollte auf einer Fußmatte stehen, damit mir nicht kalt wird.

Bei der Vor-Befragung ging es zwar auch um Arbeit und Beruf. Doch es wurden die kapitalistischen Bedingungen berücksichtigt. 

Ich musste lange warten, ich hörte das Geräusch eines Fernschreibers. 

Polizisten in Zivil holten mich ab und brachten mich ins Aufnahmeheim Röntgental. Die Beamten waren sehr nett.

Der Empfang im Aufnahmeheim war erst mal kühl, doch ein sehr netter Beamter nahm meinen Übersiedlungsantrag auf und half mir beim Formulieren.

Ich war noch in den Altbauten untergebracht. So war die Quarantäne im Gebäude untergebracht, wo die Krimnalbeamten ihre Büros und Verhörräume hatten. Dort war ich nicht mit meinem Begleiter alleine, sondern noch ein Geschwisterpaar war auch in den Quarantäne-Räumlichkeiten, welche freundlich eingerichtet waren.

Die erste Sicherheitsüberprüfung und die erkennungsdienstliche Behandlung (Abnahme von Fingerabdrücken, Polizeifoto) verlief noch in freundlicher Atmosphäre. Das änderte sich aber, nachdem ich am nächsten Tag im eigentlichen Heim war. Es hatte damals noch Lagercharakter. Der Bewegungsspielraum war stark eingeschränkt. Ich bekam Platzangst.

Film Teil 2:

Die Anrede für die Kulturfrauen war nicht „Frau Kultur“, sondern „Frau..“ und dann der Vorname. Die Kulturfrauen waren Sozialarbeiterinnen und Aufseherinnen in Personalunion, Außerdem waren sie ein Machtfaktor.Die Heiminsassen durften sich auch nur mit Vornamen vorstellen. Die Krankenschwester hat recht mit der Geschichte über den jungen Mann der früh ergraute.

Die Rückgewinnungsmaßnahmen erfolgten vermutlich seitens örtlicher und zentraler Behörden. Aber keinesfalls seitens des Heims. Die „Stasi“ des Heims war etwas Anderes, als das sonstige MfS.

Die Propaganda mit den angeblichen 20 000 Rückkehrwilligen war ungeschickt. Denn sie entsprach in der Tat nicht der Wahrheit. Es stand auch ein Name aus Bad Kreuznach drin. Dem bin ich nachgegangen. Ich traf diesen Mann auch an. Doch war ich ihm zu fremd und er wollte nicht mit mir reden. In einem Bad Kreuznacher Wochenblatt stand aber dann, dass er kein Interesse hatte in die DDR zurückzukehren und nur in einem Anflug von Heimweh bei der Ständigen Vertretung nachgefragt hätte.

Film Teil 3:

Einerseits eine Propagandasendung im DDR-Fernsehen, andererseits die Schikanen gegen die Übersiedlungswilligen. Dass Journalisten für den Geheimdienst arbeiten ist weltweit so. Aber hier wird so getan, als wäre das in der DDR was Besonderes. 

Selbst der Genosse vom MfS, der undercover agiert ist geschockt. Na, das heißt schon was. Er sollte die Heiminsassen ausforschen. In meiner Zeit gab es Billigspitzel unter den Mitinsassen.

Zu den einzelnen Fällen kann ich nichts sagen. Aber dass der derjenige, der sich bei der Polizei nur anmelden wollte nun ins Aufnahmeheim verfrachtet wird, war schon so gewesen. Ich erinnere mich an eine Mitinsassin, wo das auch so war. Dass der Amtsschimmel wieherte und die örtliche Polizeidienststelle nicht über die versprochene Straffreiheit informiert war, ist nachvollziehbar.

Der Heimaufenthalt war juristisch keine Gefangenschaft. Man konnte einen Antrag stellen, um in die BRD zurückzufahren.

Film Teil 4:

Bei der Frau, die versucht hatte sich umzubringen, war die Reaktion des Heims typisch. Sich geschickt aus der Verantwortung ziehen. Die psychisch geschwächten Menschen standen unter Druck. Es blieb nichts andres, als jede Erklärung zu unterschreiben.

Es ist nur von der „Stasi“ die Rede, aber es wird nicht über die Kriminalpolizei gesprochen und dass das Heim dem Innenministerium unterstellt war.

Film Teil 5:

Als ich in den alten Gebäuden des Aufnahmeheims Röntgental war, war alles ebenerdig. Auch die Verhörzimmer. Selbstmord war unmöglich. Jedes noch so primitive Werkzeug wurde weggenommen. Damals waren es keine Einzelzimmer. Bewohnte man ein Zimmer alleine und machte z.B. einen Probelauf für einen Selbstmord(-versuch), bekam man sofort eine/n Zimmernachbarn/-nachbarin.

Im neuen Gebäude war das wahrscheinlich nicht mehr abgesichert. Wozu auch? Das Heim war derart mächtig, dass es sich selbst bei solch dramatischen Vorfällen aus der Verantwortung ziehen konnte.

Historischer SPIEGEL-Artikel von 1981

Bild entnommen von DER SPIEGEL-Backstage

Kommentar zum historischen SPIEGEL-Artikel

Das historische Original ist zwischenzeitlich verschwunden, ist aber noch in den Beständen der Seitenerstellerin. Siehe anschließende Bild- und PDF-Dateien.

DER SPIEGEL-Artikel enthält sachliche Fehler. Einiges wurde hinzugedichtet. Das ist keine Hilfe für die desorientierten oder sogar traumatisierten in die BRD Abgeschobenen. 

Zur Anrede des Personals: „Herr Sachbearbeiter“ ist richtig. „Frau Kultur“ ist falsch. Sie wurden mit „Frau..“ und ihrem Vornamen angeredet.  Mit Hausmeistern, Heizern usw. hatten die Heiminsassen nichts zu tun.

Zur beschrieben besseren Behandlung Übersiedlungswilliger aus anderen kapitalistischen Ländern, die woanders untergebracht waren, kann ich nichts sagen. 

Die hier beschriebene Eskorte, waren Polizisten in Zivil, welche die Übersiedlungswilligen von den Grenzübergangsstellen abholten und nach Röntgental brachten. In meinem Fall war der Empfang an der Grenze sehr freundlich. Auch die Begleitbeamten waren sehr freundlich. Man musste nicht ans Tor hämmern, wie hier beschrieben, sondern wurde hineingefahren. Vom Auto wurde man in eine Art Empfangsraum begleitet. Die freundlichen Begleitbeamten fuhren davon, als die Beamten des Aufnahmeheims mich in Empfang genommen hatten. Der Empfang war erst recht kühl. Doch der Beamte der meinen Übersiedlungsantrag aufgenommen hatte, war sehr freundlich und half beim Formulieren. 

Die Quarantäne war damals in dem Gebäude untergebracht, wo die Kriminalbeamten ihre Büros und Verhörräume hatten. Das war nicht das hier beschriebene Massenquartier. Die Quarantäne-Räumlichkeiten waren freundlich eingerichtet. Am ersten Tag gab es eine allgemeine Sicherheitsüberprüfung und eine erkennungsdienstliche Behandlung (Fingerabdrücke und Polizeifoto) Das erfolgte noch in freundlicher Atmosphäre. Das änderte sich erst am nächsten Tag, als ich aus der Quarantäne ins eigentliche Heim kam. 

Die Enge und die eingeschränkte Fortbewegungsmöglichkeiten sind Fakt. Ich bekam davon Platzangst.

„Empfangswillige Damen“, wo die Männer hin gingen ist vollkommener Unsinn. Erstunken und erlogen. Man konnte nachts nicht raus. Die Nachtwachen waren zum Schutz der Heiminsassen da. 

Dass da einer, wie hier beschrieben, die Zimmereinrichtung zu Kleinholz schlägt, kann ich nachvollziehen. Na, logisch, da folgte sofort die Abschiebung in die BRD.

Petra Reichel

 

Zur besseren Lesbarkeit:

Der historische SPIEGEL-Artikel als PDF-Datei: